TALENTE


Künstlerische Chemie

Natürliche Materialien, reinste Öle und ein Hauch von Kreativität. Liza Witte setzte an bei der Geschichte, bei den ersten Parfumflakons aus dem frühen 19. Jahrhundert, als Parfums in Flakons aufbewahrt wurden, die von René Lalique und Émile Gallé entworfen wurden. Heute signiert sie Seifenkollektionen, die in Museen in ganz Europa ausgestellt sind.

Each perfume has a story to tell. It speaks of encounters, memory, bodies, travels and of emotions. "Nothing is more memorable than a smell" wrote the English poet Diane Ackerman. "A perfume can be unexpected, momentary and fleeting and yet evoke a summer of our childhood on a mountain lake". A fragrance is an alchemy. Whoever designs it has a deep knowledge of plants, flowers and chemistry, knows perfectly well the olfactory reactions on the skin, the persistence of a smell in an environment.

A perfume designer is able to identify desires by interpreting the characters of the people who often express themselves through the fragrance they wear. Liza Witte defines herself as an artist and perfumer. We are meeting her in Amsterdam where she relocated from a small village in Germany.

The Silhouette Collection, seemingly as lasting and solid as its glass predecessors, is in reality like perfume itself: ephemeral and sensuous, fading with time and use. As with perfume (from “per fumum” meaning ‘through smoke’) these monuments of smell prove to be transient, eventually dissolving into air

Lize Witte in her Amsterdam laboratory.

Die Silhouette Collection, unter Glaskuppeln präsentiert. Seifen zum Ausstellen, zum täglichen Gebrauch oder zum Parfümieren von Räumen.

Jedes Parfum hat eine Geschichte zu erzählen. Es erzählt von Begegnungen, Erinnerungen, Körpern, Reisen und Emotionen. „Nichts ist einprägsamer als ein Geruch”, schrieb die englische Dichterin Diane Ackerman. „Ein Duft kann unerwartet, vorübergehend und flüchtig sein und doch an einen Sommer unserer Kindheit an einem Bergsee erinnern”. Düfte sind Alchemie. Diejenigen, die sie entwerfen, verfügen über botanische undchemische Kenntnisse. Sie kennen die olfaktorischen Reaktionen auf der Haut und die Persistenz eines Geruchs in einer Umgebung. Ein Duftdesigner ist in der Lage, Wünsche zu erkennen, indem er die Charaktere der Menschen interpretiert, die oft durch das Parfum, das sie benutzen, ausgedrückt werden. Liza Witte bezeichnet sich selbst als Künstlerin und Parfümeurin. Wir trafen sie in Amsterdam, wo sie aus einem kleinen Dorf in Deutschland hingezogen ist.

Die Silhouette Collection, scheinbar so dauerhaft und solide wie ihre Vorgänger aus Glas, ist in Wirklichkeit wie das Parfum selbst: vergänglich und sinnlich, die sich mit der Zeit und dem Gebrauch auflöst. Wie beim Parfum (von "per fumum", was "durch Rauch" bedeutet) erweisen sich diese Monumente des Geruchs als vergänglich und lösen sich schließlich in Luft auf.

Lize Witte in ihrem Labor in Amsterdam.


Was ist Ihre Geschichte?

Am Anfang meines Lebens war ich Tänzerin: eine Karriere, die wegen einer Verletzung unterbrochen wurde, die mich dorthin zurückbrachte, wo ich herkam. Also kehrte ich zu dem zurück, was ich seit meiner Kindheit immer getan hatte: Dinge mit meinen Händen zu schaffen. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, in einem kleinen Dorf, umgeben von Wäldern und Natur. Meine Großeltern hatten fantastische Gärten und machten alles selbst: säen, ernten, pflegen. Eine Detailversessenheit, die ich auf die Suche nach Materialien übertragen habe. Ich bin wirklich besessen von der Materie, ihren Strukturen und tausend Deklinationen. Vor zehn Jahren hatte ich, inspiriert von den Parfumflakons von Gallé und Lalique, die Idee, die Silhouette Collection zu schaffen: eine Synthese zwischen Form und Material. Seitdem ist das Parfum mein Material und mein Notizbuch geworden.

Ich hatte nicht die Absicht, eine Marke zu schaffen, aber irgendwie geschah es: Ich wurde süchtig nach der Seifenproduktion, hörte auf, Produkte zu kaufen und lernte, sie selbst herzustellen. Ich hatte viele Öle, ätherische Öle. Zuerst habe ich sie für mich selbst produziert, dann für Freunde, heute für alle Fans.


Wann haben Sie die Welt der Seife entdeckt?

Als Tänzerin musste ich mindestens zweimal am Tag duschen, vor und nach der Arbeit. Ich hatte immer trockene Haut, Ausschläge und rote Flecken durch normale Seifen oder Duschgels und war gezwungen, viel Körpermilch zu verwenden. Ich habe Plastikflaschen nie gemocht, schon gar nicht in meinem Badezimmer. Ich entfernte sogar die Etiketten, um eine minimalistischere Wirkung zu erzielen.

Dann entdeckte ich einige hochwertige Naturseifen und begann während meiner Reisen, hauptsächlich im Mittelmeerraum oder in Aleppo, diese zu sammeln. Die Silhouette Collection ist das Ergebnis all dieser Erfahrungen, zu denen ein Gedanke an den Planeten hinzukam: Heute ist es wirklich wichtig, Kunststoffverpackungen so weit wie möglich zu vermeiden. Seifen und Shampoo-Riegel sind eine gute Lösung, um die Umwelt zu schützen: Sie können in Papier eingewickelt werden, sind leicht zu transportieren und werden ohne Rückstände aufgebraucht.


Mode, Design, Kunst. Wie ist die Beziehung mit der Kreation von Düften?

Für mich dreht sich alles um das Material und seine Beschaffenheit: Es ist wesentlich, dass jedes Produkt eine Seele, einen definierten Charakter hat. Das Geheimnis liegt darin, etwas mit Persönlichkeit zu erschaffen. Berührung, Bewegung, Dauer und das Erzählen von Geschichten, wie ich sie als Tänzerin erlebt habe, sind unverzichtbare Zutaten, um etwas ‚Sinn‘-volles zum Leben zu erwecken. Meine bisherigen Erfahrungen haben sich in Produkte verwandelt, die den Alltag erstrahlen lassen, uns in ihn einhüllen, ihn verkörpern und verbessern. Sie erzählen Geschichten, die nach und nach einzigartig werden, verbunden mit Momenten aus dem persönlichen Leben eines jeden Menschen.

Und letzten Endes verschwinden sie. Ich habe oft mit Künstlern und Designern zusammengearbeitet, um Installationen und Performances zu schaffen. Hier gilt es, Düfte oder Objekte zu schaffen, welche die Grenzen zwischen Menschen untereinander, zwischen Menschen und Raum, sowie zwischen Menschen und Objekten überschreiten können. Ich beschäftige mich immer noch mit Performance. Die letzte konzentriert sich auf das Gedächtnis: Ich rufe die Erinnerung an den Duft einer Person wach, die längst gegangen ist.


Wie kreiert man einen Duft?

Ich beginne mit der Auswahl der Zutaten – roh, authentisch oder unvollkommen, ungewöhnlich, stets von hoher Qualität. Sie müssen noch eine weitere Anforderung erfüllen: Sie müssen einfach sein. Stellen Sie sich alles vor, was Sie lange anschauen können, ohne sich zu langweilen, oder eine Geschichte zu erzählen, bei der das Interesse der Zuhörer von Anfang bis Ende wach gehalten wird. Dasselbe muss für meine Seifen geschehen. Ich konzentriere mich auf gute Materialien, weil sie die Menschen begleiten müssen, ohne unangenehm und aufdringlich zu werden. Mein Betätigungsfeld sind Parfums, Körperöle, Raumdüfte und Seifen, alle Unisex. Ich mag es, wenn Menschen die gleichen Gerüche teilen. Die Auswahl der Essenzen wird mit dem Zeitfaktor kombiniert. Meine Arbeit erfordert Geduld, denn sie ist vollständig von Hand gemacht, und ich produziere in kleinen Mengen. Die Silhouette Collection wird beispielsweise auf Bestellung gefertigt, und es dauert zwei Wochen von der Bestellung bis zum Versand.


Wo liegen die Unterschiede zwischen Ihren Kollektionen?

Es sind alles Nischendüfte. Meine Seifen enthalten verschiedene botanische Noten von ätherischen Ölen. Nicht nur das, ich füge auch Extrakte, Mazerate, Tonerden, Kräuter, Milch, Farbstoffe oder natürliche Zusatzstoffe wie Holzkohle hinzu, die als Reinigungsmittel wirkt. Ich verwende keine künstlichen Farb-, Zusatz-, oder Konservierungsstoffe und dergleichen. Meine Kreationensind irgendwo zwischen botanisch und blumig, aber alle haben einen zarten Duft.

Einige von Lize Witte kreierte ätherische Öle. Oben, Jux, handgemachter Duft, Übermut


Wo fängt man bei einem Parfum an?

Meine gesamte Arbeit ist vollständig materialorientiert. Ich beginne mit der Auswahl guter Zutaten – roh, authentisch oder unvollkommen, ungewöhnlich –, ich achte auf Qualität und auch auf Einfachheit. Stellen Sie sich alles vor, was Sie lange anschauen können, ohne sich zu langweilen, oder eine Geschichte zu erzählen, bei der das Interesse der Zuhörer von Anfang bis Ende wach gehalten wird.

Auch bei den handgemachten Seifen konzentriere ich mich auf sehr gute Materialien, denn bei der Herstellung einer ausgezeichneten Seife kommt es auf die Inhaltsstoffe und den Duft an. Meine Seifenstücke sind in der Tat wie ein Stück Rohmaterial. Ich konzentriere mich auf die Verpackung, um ein visuell attraktives Produkt herzustellen. Die Verpackung ist natürlich auch von mir selbst handgefertigt und von Hand beschriftet.


Wie entstand die Silhouette Collection?

Links. Neroli-Körperöl. Ein intensives, frisches und duftendes Elixier. Timber. Eine tiefe, reife Note von Zedern- und Gujakholz mit warmen Ambra-Tönen und leicht geräuchert.

Rechts. Kaffee-Seifen-Peeling. Alle Etiketten sind von Hand beschriftet.

Die Silhouette Collection dreht sich um das Konzept der Vergänglichkeit. Für eine Ausstellung in einem Museum in Bern baute ich ein in einer Säule verstecktes Gerät, das diese zum Schmelzen brachte. Die Idee war, mehrere Kollektionen der Silhouette Collection live zu verschmelzen, so dass sie ihren Duft im Raum verbreiten und in ihrer Fluidität erscheinen: von einem festen Objekt zu einem flüssigen Zustand. Dadurch entstand eine schwarze und duftende Landschaft, die eine Vision von in dunklen Gewässern untergehenden Schiffen hervorrief.


Wie steht es um die Vielseitigkeit der Silhouette Collection?

Die Silhouette Collection ist ein mehrschichtiges Konzept. Einerseits sind da parfümierte Seifen in Form von Parfumflakons, andererseits aber auch schöne Designobjekte, parfümierte Skulpturen, die ihre Düfte in den Raum abgeben und als Raumduft wirken.


Kommende Projekte?

Ich arbeite an zwei neuen Parfums und an einem Weihrauch-Projekt. Außerdem experimentiere ich mit schwarzer Keramik: Auf meiner Website finden sich demnächst die neuen Kreationen.


Wie lange hält der Duft einer Seife?

Er kann viele Monate halten, je nachdem, wie sie aufbewahrt wird. Ein Flakon aus der Silhouette Collection, der unter einer Glaskuppel aufbewahrt wird, behält seinen Duft für Jahre. Mit der Zeit wird die Außenseite immer dichter, und der Duft bleibt nur noch im Flakon. Aber sobald man sich für das Benutzen der Seife entscheidet, wird man auch nach mehreren Jahren noch ein äußerst duftendes Duscherlebnis haben.


Was sind Ihre meistverkauften Düfte?

In der Regel lieben die Menschen Kardamom, kochende Milch und grünes Patchouli-Körperöl. Italiener lieben Neroli. Unter den Seifen sind meine größten „Hits“ Rhazul, Vetiver Mint und Opatcho. In jedem Fall ist die Vorliebe für ein Parfüm etwas Persönliches.


Opatcho Canon Ball Soap. Die Bombe: 600 Gramm nach Orange und Patchouli duftende Seife.


Schwarze Opatcho-Seife. Wird in kleinen Mengen nach dem traditionellen Kaltverfahren hergestellt und enthält keine Konservierungsstoffe, künstlichen Farbstoffe oder Produkte tierischen Ursprungs.