Eine Palette zarter Farben, die an die 60er Jahre erinnern, als Ideal Standard – in einer Pionierleistung – eine innovative Farbpalette für seine Sanitärkeramiken einführte.

Auf der einen Seite die Geschichte des Designs, auf der anderen die technische Kompetenz in der weltweit anerkannten Keramikverarbeitung. Als Ideenschmiede ist Ideal Standard Italia wegweisend bei der Suche nach Schönheit gepaart mit höchster Funktionalität.

1965. Ironie und Unbefangenheit auf diesem Bild eines Ausstellungsaufbaus, das in der Sala Espressioni von Ideal Standard entstand. Entworfen von Cesare Casati und Enzo Hybsch, jungen Architekten, die von Gio Ponti, dem damaligen Art Director des Unternehmens, beauftragt wurden.

Mit verschiedenen Welten in Kontakt zu treten, ihre tiefen sozialen und kulturellen Wurzeln zu verstehen und sie miteinander in Beziehung zu setzen, ist das, was wir heute „Verbindung“ nennen. Verbindung erfordert Dialog, zwingt zu einem ständigen Wechsel der Perspektive sowie zur Aktualisierung der Ziele und Zielsetzungen. Gut organisiert unterstützt sie die Weiterentwicklung, und strebt nach Fortschritt. Ideal Standard kennt diese Formel gut: Together for better – ein 2019 lanciertes Credo – ist eigentlich ein Grundsatz, der den multinationalen Konzern seit jeher leitet. Diese Gemeinschaft aus verschiedenen Gedanken, Traditionen und Kulturen macht Ideal Standard heute zu einem flexiblen Unternehmen, das in der Lage ist, neue Bedürfnisse zu verstehen und schneller auf diese zu reagieren. Was bedeutet es, in diesem vielseitigen Spektrum für Ideal Standard Italia zu arbeiten?

„Große Verantwortung in Bezug auf eine bedeutsame Vergangenheit zu haben“, kommt die Antwort einstimmig aus dem Mailänder Büro. „Das Bewusstsein zu haben, für eine Marke zu arbeiten, die weiterhin auf Optimierung, Steigerung des Innovations- und Qualitätsstandards ausgerichtet ist.“ Man könnte sagen, dass Ideal Standard zwei Seelen hat: Auf der einen Seite die Ästhetik, das Design, also eher der optische Charakter des Produkts, auf der anderen Seite technische Aspekte, die sich auf die Baustelle und funktionale Installationssysteme für die tägliche Arbeit konzentrieren. „In Italien ist Kreativität tief verwurzelt“, erklärt Roberto Palomba von Serafini Palomba Associati, der seit 2018 Chief Design Officer der Marke ist.

Die Partnerschaft mit dem Studio Palomba Serafini Associati ist die jüngste Zusammenarbeit mit den Protagonisten des zeitgenössischen Designs. Sie sind mit der Entwicklung von Atelier Collections und der Pflege des Markenimages betraut. Die Zeichnung zeigt eine Skizze des Conca Waschtischs.

111

Jahre seit der Gründung von Ideal (1909)

73

Jahre seit der Gründung von Ideal Standard: Fusion von Ideal und Standard (1948)

11

Jahre ununterbrochene Zusammenarbeit mit Gio Ponti (1953-1964)

616

Mitarbeiter

1800

Verkaufsstellen in Italien

2

Compassi d’oro (Industriedesignpreise): 1979 Linda von Achille Castiglioni 1998 Fiorile von Enzo Mari

19

Meister, die mit Ideal Standard gearbeitet haben

4

Jahre Zusammenarbeit mit Roberto Palomba von Serafini Palomba Associati, Chief Design Officer

Roberto Palomba, Chief Design Officer des Unternehmens seit 2018.

„Das Stilzentrum ist hier. Wenn wir an Gio Ponti und seine Arbeit zur Modernisierung der italienischen Gesellschaft in den Nachkriegsjahren denken, können wir nachvollziehen, wo der Ausgangspunkt unserer aktuellen Arbeit liegt. Die soziale Analyse, die von Ponti betriebene Demokratisierung der Preise haben es dem Unternehmen ermöglicht, sich sowohl in technischer Richtung als auch im wirtschaftlichen Wachstum weiterzuentwickeln. Auf den historischen Projekten basiert unsere heutige Arbeit. Italien ist in gewisser Weise das Pilotland für bestimmte Werte.“ Es ist ein handwerkliches Terrain, ein symbolisches Atelier aus Händen und quirligen, sich ständig auseinandersetzenden Köpfen, das die Amerikaner vorfanden, als sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Italien eintrafen.

Machen wir einen Schritt zurück in die Geschichte, die am 20. April 1909 begann, als die Standard Sanitary Manufacturing Corporation die Società Nazionale dei Radiatori in Mailand gründete und 1911 mit Ideal die erste Gießerei in Brescia eröffnete, gefolgt von Florenz und Salerno. Im Jahr 1929 eröffnete Standard die so genannte „weiße Fabrik“ für die Produktion von Sanitärelementen aus Glasporzellan, einem aufgrund seiner ästhetischen und funktionellen Qualitäten revolutionären Material.

Die handwerkliche Liebe zum Detail macht die Produktion einzigartig. Oben. Die Trocknungsphase der Produkte vor dem Glasieren. Unten. Ein faszinierendes Detailbild, das die Zubereitung der Glasur zeigt.

Formen nehmen Gestalt an. Die Verwandlung der Keramik - von roh zu skulptural - ist äußerst beeindruckend.

1948 schlug dann mit der Fusion der beiden industriellen Unternehmen die Geburtsstunde von Ideal Standard. Die von den Amerikanern exportierte Idee des Badezimmers hatte ihr epochemachendes Jahr 1953, dem Jahr, als Gio Ponti Art Director des Unternehmens wurde. „Ein Mann“, wie Daria Guarnati, Verlegerin von Aria d'Italia, der berühmten Zeitschrift unter der Leitung von Ponti, 1954 schrieb, „der fleißig arbeitet, schreibt, zeichnet, baut, reist und das Leben liebt, der keiner Schule, sondern nur der ständigen Reifung seiner Bemühungen angehört, ein Mann, der im glücklichen Verständnis seiner Zeit lebt und arbeitet und Teil von ihr ist, und der dankbar für das Leben ist.“ Kurzum, jener aufgeklärte, immer in Bewegung befindliche Architekt, der zur Umgestaltung der italienischen Gesellschaft nach dem Krieg beitrug. Er würde bald darauf den Pirellone – das Pirelli - Hochhaus – entwerfen und den Industriedesignpreis Compasso d'Oro ins Leben rufen. Er hatte bereits Domus und Stile, avantgardistische Zeitschriften über modernes Wohnen und Design, gegründet und die Pläne für Dutzende von Villen und Hotels in aller Welt gezeichnet. Für Ideal Standard entwirft er eine schlichte, aber markante Kollektion aufeinander abgestimmter Sanitärelemente, die dem verstecktesten Raum des Hauses eine ganz neue Note verleiht.

Das bestätigen auch die Werbekampagnen jener Zeit, in denen Primärfarben und aus der Kunst entliehene Zeichen dominieren, und die von Avantgarde-Kreativen wie Pino Tovaglia, Fritz Fricker, Ezio Bonini und Enrico Ciuti, um nur einige zu nennen, gestaltet werden. Das Neue war nicht beängstigend, ebenso wenig wie Forschung, Experimente, avantgardistische Kunstbewegungen. Mailand und ganz Italien waren ein treibendes Zentrum, offen für Auseinandersetzung und Begegnung. In diesen für die Veränderung des Lebensstils und des Konsums entscheidenden Jahren, in denen sich alle nach neuen kreativen Gedanken sehnten, wurden auch zwei von Ideal Standard geförderte Kulturprojekte gegründet: 1959 wurde die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift „Cronache della civiltà del benessere“ (dt. Chroniken der Wohlstandszivilisation) veröffentlicht, für die unter anderen Guido Ballo (zunächst für Kunst, dann für Design), Gillo Dorfles (Design), Agnoldomenico Pica (Architektur), Journalisten wie Giorgio Bocca, Piero Ottone und Soziologen wie Francesco Alberoni schrieben. Enrico Ciuti, Verlagsberater und Designer des Unternehmens, entwarf die grafischen Titelseiten.


Man wählte die Lösungen von Ideal Standard, um das Wohnhaus mit klaren und rationalen Linien zu gestalten, die einen umweltverträglichen Lebensstil interpretieren, der auf das Thema Verschwendung achtet. Im Bad: Waschtische Ipalyss, Hängekeramik Tesi, Waschtischarmaturen Ceraline, Duschkabine Connect 2.

Das Projekt The Shell in Cesena des Büros Piraccini+Potente Architettura ist nach Passivhaus Standard gebaut und wird mit passiven Energiequellen beheizt.

Heute wie damals helfen die geometrischen Strukturen der Architektur und die Klarheit des Designs, die Formen zu vereinfachen, um individuell gestaltete Umgebungen zu schaffen.

Im November 1963 weihte er den Ausstellungsraum Sala Espressioni Ideal Standard ein, ein Projekt, das ebenfalls von Gio Ponti kuratiert wurde und das kommerzielle und künstlerische Ausstellungen organisierte und bereits die Weitsicht und starke Sensibilität für das Neue bewies. Zu den Ausstellern gehörten u. a. Enzo Mari, Bruno Munari, Achille Castiglioni, Piero Fornasetti und Michelangelo Pistoletto. Einige von ihnen werden später auch an der Gestaltung neuer Sanitärkollektionen beteiligt sein. Die Fähigkeit, Ideen zu Qualitätsprojekten zu synthetisieren, ist das große Erbe, das aus der Vergangenheit hervorgeht. „Die Schlichtheit und Reinheit der Formen sind die Grundlage des Projekts von Ideal Standard“ bekräftigt Roberto Palomba. „Die geometrischen Strukturen der Architektur, die abstrakte Kunst, die Reinheit des Designs“, fährt er fort, „drücken die gleichen funktionalen und ästhetischen Werte aus, die der Villa Katsura in Kyoto, dem skandinavischen Design oder den Shaker-Möbeln zugrunde liegen.“

Formen vereinfachen, um Bühnen zur individuellen Gestaltung zu schaffen; eine innovative Farbpalette kreieren, in der neben dem unverzichtbaren Porzellanweiß Mattschwarz, Blassrosa und Salbeigrün hervorstechen; Spitzentechnologien zur Reduzierung der Wasserverschwendung erforschen: Das sind die zukünftigen Ziele von Ideal Standard. Aus diesem Grund entstand Atelier Collections (siehe Artikel auf Seite 60), ein Projekt, das durch neuerliche Zusammenarbeit mit einem großen Designstudio Technik und Design neu belebt. Und wenn ein gutes Projekt in der Lage ist, mit der Wissenschaft in Dialog zu treten, dann kann es das reale Leben verbessern und wahre Wohlfühlmomente schaffen, was bedeutet, dass es mit der Zeit zu gehen weiß und es fähig ist, sich die beste aller möglichen Welten vorzustellen. Auf jeden Fall, indem es uns mit purer Schönheit umgibt.

Ponti Z, eine ikonische Form in den Farben der 50er und 60er Jahre. Das glatte Waschtischbecken ohne Erhebungen ist trapezförmig: eine Form, die der Armbewegung beim Waschen entgegenkommt.

Einige historische Werbekampagnen. Für Ideal Standard arbeiteten bedeutende Künstler und Grafiker wie Fritz Fricker, Pino Tovaglia, Ezio Bonini und Enrico Ciuti.

Architektur mit Blick auf die Natur. In Mailand, in der Nähe des Lambro-Parks, bieten die von Studio Asti Architetti entworfenen The Park Towers ein nachhaltiges Alltagsleben in zwei Wolkenkratzern mit 22 und 15 Stockwerken. Einrichtung und Materialien können aus einem Katalog mit den besten Designmarken individuell gewählt werden. Ideal Standard ist mit Blend Curve und Tesi, Conca, Joy, den Duschwannen Ultra Flat S, der Duschkabine Connect 2 und den Badewannen Connect Air vertreten. Spülkästen und Betätigungsplatten ProSys.


Oben links. Eine Seite aus dem Fotobuch über Atelier Collections. Unten links. Einige Titelseiten der vierteljährlich erschienenen Betriebszeitschrift von Ideal Standard aus den Jahren 1958 bis 1969. Herausgegeben wurde das Magazin von dem Künstler, Grafiker und Keramiker Enrico Ciuti.


Die Rolle der Showrooms spielt eine wichtige Rolle, um ein angenehmes und emotionales Erlebnis zu bieten, das über die traditionellen Ausstellungsmodalitäten hinausgeht. Oben rechts. Bilder des Showrooms von Idrosanitaria Canavesi in Tradate (VA). Unten rechts. Bilder des Showrooms der Gruppo Bea in Mailand.

Unternehmen und Kultur

Der Wille, mit visionären Kompetenzen und vollem Einsatz eine aktive Rolle bei der Gestaltung der Gesellschaft zu spielen. Eine Lektion zum Merken.

In den 50er und 60er Jahren erlebt Europa einen Moment der kulturellen Expansion, des Vertrauens in die Zukunft und des Fortschritts. Kultur geht Hand in Hand mit der Industrie, und die Ergebnisse aus diesem Einverständnis sind auch heute noch ì wichtige Bezugspunkte. Unternehmen kümmern sich um das Leben ihrer Mitarbeiter: Sie organisieren Feriendörfer, bauen Kindergärten, Bibliotheken und Sportzentren. Ideal Standard investiert in Forschung und Bildung. Mit der vierteljährlich erscheinenden Betriebszeitschrift (von 1958 bis 1969) widmete sich das Unternehmen zunächst dem Wohnkomfort und damit verbundenen Themen, dann von 1964 bis 1969 dem Thema Wohlstand und soziale Entwicklung, mit Beiträgen von Soziologen, Psychologen und Untersuchungen zu neu aufkommenden Themen wie Umweltverschmutzung, Nachhaltigkeit, Wohlstandskrankheiten. Die Sala Espressioni (Ausstellungsraum von 1963 bis 1968) widmete sich der Forschung und als Pionier unterstützte Ideal Standard Kunst und avantgardistisches Design. Espressione – Ausdruck. <<Der Akt und die Art und Weise, sich auszudrücken, anderen mitzuteilen, was man fühlt, denkt oder will >>. Übersetzung der Definition aus dem Wörterbuch Treccani. Die Eröffnung eines Ausstellungsraums mit dem Namen Sala Espressioni erklärt sofort den Wunsch, die Gedanken anderer frei aufzunehmen, bekräftigt die Suche nach einem offenen Dialog und einer konstruktiven Konfrontation. „Ich kann die Vaterschaft des Namens „espressioni“ akzeptieren, der mir sehr am Herzen liegt: Aber die Idee der Sala ist Ideal Standard zu verdanken, da es die Absicht verfolgte, diese Ausstellung im Herzen von Mailand nicht als statische Präsentation von Modellen zu verstehen, sondern zum Zentrum einer dynamischen kulturellen Aktivität zu machen.“ Gio Ponti. Wenn das Motto „Die wahre Kultur ist zu produzieren, sich Fragen zu stellen“ lautet, wie der kürzlich verstorbene Architekt und Designer Enzo Mari zu sagen pflegte, dann hatte das amerikanische Unternehmen den Wert dieses Gedankens perfekt voraus geahnt und es verstanden, der Zeit vorauseilend, seinen Namen an die Seite der Meister des Designs und der Kultur zu stellen. Alle werden sie diese durch laufen, die Möbel von Le Corbusier, die Installationen von Michelangelo Pistoletto, die Licht- und Raumeffekte von Achille und Pier Giacomo Castiglioni, die zweihundertfünfzig Varianten eines Frauengesichts von Piero Fornasetti, die Experimente von Bruno Munari, die dynamische Umgebung von Ettore Sottsass, die programmierte Kunst von Enzo Mari. Sie alle und viele andere, die aufgerufen waren, ihre Gedanken über die Beziehung zwischen Schaffen, Raum und Dekoration darzulegen.

Oben. Der von den Brüdern Pier Giacomo und Achille Castiglioni 1965 entworfene Ausstellungsaufbau für die Sala Espressioni von Ideal Standard in Mailand. Unten. Ein weiteres Bild einer Ausstellung im Kulturraum von Ideal Standard, der in den 60er und 70er Jahren ein Designmittelpunkt in Mailand war.